Sonntag, 29. April 2007


Da bin ich wieder. In den letzten Tagen war das Wetter nur mittelmäßig...
und mein Entdeckungsdrang war ohnehin ein wenig abgeflacht. Meine Sightseeingtouren habe ich ein wenig zurückgestellt und meinen Füßen eine kleine Pause gegönnt. Am Freitag war es dann sehr nett. Ein paar der Kollegen hatten mich eingeladen, sie nach der Arbeit in eine Kneipe zu begleiten.
Das war sehr lustig und ich bin anschließend nach einem kurzen Zwischenstopp zu Hause noch auf ein Konzert gegangen. Auf dem Rückweg habe ich dann festgestellt, dass die U-Bahnen am Wochenende doch länger fahren, so dass ich auch länger bleiben konnte. Sogar die Busse fahren nachts noch, allerdings hatte ich meinen knapp verpasst und der nächste fuhr erst wieder in einer Stunde. Deshalb bin ich dann von der U-Bahnhaltestellt nach Hause gelaufen. Weil das hier eine sehr sichere Gegend ist, war das auch kein Problem, ich war allerdings erst sehr spät zu Hause. Am Samstag war das Wetter wieder sehr durchwachsen, so dass ich nicht viel gemacht habe. Mein Vermieter hat mich aber auf eine Shoppingtour durch Baumärkte und Supermärkte mitgenommen. Auch mal sehr nett, so konnte ich ein bisschen was von der näheren Umgebung sehen.

Heute hab ich dann das gemacht, was ich eigentlich gestern Abend machen wollte. Ich bin zu einem Baseballspiel gegangen. Die Washington Nationals haben gegen die New York Mets gespielt und leider verloren.
Die Tickets sind sehr günstig, ich hab für meines 5 Dollar bezahlt.
Es hatten diesmal bei sehr schönen Wetter noch mehr Leute die Idee, deshalb war es in der U-Bahn dann auch sehr voll. Aber es ging dann doch erstaunlich schnell.
Weil es am Ende des Spiels erst 5 Uhr war, bin ich gleich nach Georgetown durchgefahren und hab mich zu Fuß auf die Suche nach historic Georgetown gemacht.
Dabei kommt man an interessanten Häusermischungen vorbei, bis man dann über eine Brücke läuft und in dem bekannten Teil Georgetown ankommt, der direkt am Potomac River liegt.
Zunächst stößt man auf eine ziemlich lange Geschäftsstrasse mit vielen Geschäften, Restaurants und Bars.
Das hab ich mir erstmal angeschaut, um dann zum Wasser hinunter zu gehen.
Zwischen der belebten Hauptstrasse und der sogenannten Waterfront liegt ein Kanal. Früher muss das so eine Art Hafengebiet gewesen sein.
An dem Kanal entlang führt einer der wenigen Fußgängerwege entlang. Hier links an der Wand hat einer Klettern geübt. Dabei hat er sich nicht höher als einen Meter üben den Boden hochgezogen. Das aber beständig, hin und her. Einige Passanten dachten wohl er traut sich nicht höher und haben ihre Scherzchen gemacht. Keiner von denen hätte sich mit seiner Körpermasse aber auch nur annähernd in solche Höhen hinaufgeschwungen.
Es gibt in diesem Zwischenstück auch einige Wohnanlagen, die wahrscheinlich als ziemlich exklusiv gelten dürften.
Wenn man unten am Wasser ankommt, fällt einem als erstes das Geräusch auf, das die Autos erzeugen, die über die Straße fahren, die man hier auf den Stelzen erahnen kann. Die Brücke im Hintergrund führt nach Rosslyn bzw. Arlington, wo der Friedhof liegt.
Hier kann man die Straße nochmal besser sehen. Links geht es dann den Berg hoch zu der Geschäftsstraße und rechts zur Waterfront.
Da ist dann bei dem Wetter ganz schön was los. Am Hafen haben Boote angelegt auf denen ganz die Post abgeht. Oben auf dem Deck tanzen fleißig ein paar Frauen, die auch einige Stunden später noch da sein sollten. Besondere Beachtung sollte man dem Mann am linken Bildrand schenken. In coolem 50cent-Outfit hat er sich allerdings heute mal sein rosa Dress ausgewählt. Sogar die Schuhe waren Rosa. Unglaublich.
Es ist auf jeden Fall richtig nett hier am Steg.
Interessant ist, wegen des Alkoholverbots in der Öffentlichkeit, dass die Bars alle eingezäunt sind und wieder die obligatorische Ausweiskontrolle stattfindet. Mir war das allerdings ein wenig zu teuer hier und auch noch etwas früh am Tag.
Mit einem Kind kommt man in die Kneipen wahrscheinlich gar nicht rein. Der Junge unten sah aber keineswegs unzufrieden aus. Lediglich echt lässig.
Ich bin dann nochmal in die andere Richtung den Berg hochgelaufen.
Nochmal am Kanal vorbei...
über die Hauptstrasse...
an erstaunlich sauberen Versorgungsgassen vorbei...
eine Nebenstrasse hoch.
Im ganzen Gebiet stehen sehr schöne Häuser und die Geschäfte sind eher höherklassig.

Aber zwischendrin findet man auch einfachere und ein bisschen urige, wie das unten.

Wenn man dann relativ weit hochgelaufen ist, kann man von einem Park an der öffentlichen Bibliothek auf die Hochhäuser auf der anderen Seite des Potomac gucken.


Die Amerikaner leiden übrigens auch ganz schön unter den für hiesige Verhältnisse hohen Spritpreisen. Vor einiger Zeit kam es zu dem Problem, dass der Preis zum ersten Mal auf über drei Dollar gestiegen war, die Anzeigen aber nur, wie hier, bis zwei Dollar 99 anzeigen konnten. Ich habe auch jetzt noch von Hand gemalte Preisanzeigen gesehen.

Als ich dann wieder den Berg runter gelaufen bin fing das Spielchen mit dem schönen Licht wieder an.
Ich musste also alles nochmal fotografieren.
Ich hab mir dann noch einen Sandwich gegönnt und eine Dose Achim-Gedächtnis-Mountain-Dew . Gar nicht schlecht das Zeug. Wo wir gerade bei Getränken sind, Gestern habe ich eine Cola Blak getrunken. Das ist Coca Cola mit Kaffearoma. Schmeckt ziemlich abgefahren, aber ebenfalls nicht so schlecht wie befürchtet.

Das oben war dann die Perspektive, die ich beim Verzehr meines Sandwiches hatte.
Und je später es wurde, desto malerischer.
Auf dem Kahn tanzten die Mädels immernoch...
und mich zog es langsam wieder nach Hause.
Also noch schnell ein Panoramabild aufgenommen und los gehts. Halt, so schnell auch wieder nicht. Hier noch ein Bild aus der Serie WP knipst sich selbst:

Man kann im Ansatz noch meine neue kurze Hose erkennen, die ich mir am Donnerstag gekauft habe. Sie wird sicherlich nochmal auftauchen.
Bis dahin sag ich Tschüss und auf Wiedersehen,
Euer WP

Mittwoch, 25. April 2007

Falsche Vorhersage, richtiges Wetter!

Gestern war der erste Tag an dem ich keine Fotos gemacht habe. Die Batterien waren leer, ich hatte meine Kamera angelassen. Ziemlich blöd, aber so viel hätte ich gestern ohnehin nicht fotografiert. Es war zwar schönes Wetter, aber nach der Kanzlei bin ich trotzdem nur nach Hause gefahren. Auf dem Weg zum Einkaufen hab ich dann später zwei Frauenmannschaften beim Lacrosse spielen zugeschaut. Ich war echt beeindruckt. Das spiel war nicht so körperlich wie das Frauenrugbyspiel, das ich gesehen habe, aber mindestens genauso intensiv. Und das Spiel ist ohnehin schon sehr schnell. Eigentlich komisch, dass man das bei uns gar nicht kennt. Oder, dass das nur eine Randsportart ist, gegen die Unterwassermikado einem Massensport gleichkommt.



Heute bin ich früher aufgestanden als sonst, weil ich gestern noch festgestellt hatte, dass heute der letzte Termin ist, an dem während meines Aufenthaltes im Supreme Court ein Verhandlungstag mit "oral Arguments" stattfindet. Um 9:30 sollte die erste Verhandlung anfangen. Ich war also um 20 vor 9 am Obersten Gericht der USA:

Und mich erwartete schon eine ziemliche Schlange.

Zum Glück hatte sich die Wettervorhersage gründlich getäuscht und anstatt Regen war strahlender Sonnenschein. Das war deshalb besonders wichtig, weil ich hier draußen lange warten musste. Für die erste Gerichtssession wurden nur die ersten 50 eingelassen. Der Rest musste sich entscheiden, ob er weiter warten wollte, oder ob er sich mit einer 3 Minutenführung durch den Verhandlungssaal abspeisen lässt.
Ich hab also gewartet. Dadurch hatte ich einen Haufen Zeit, die Leute zu beobachten. Eine sehr auffälige Frau war mal wieder mit einem Schild unterwegs.


Sie hat einige missionarische Versuche bei den anstehenden Leuten unternommen. Außer ihr waren aber noch mehr Leute da, die für oder gegen Abtreibung protestiert haben. Dazu muss man wissen, dass der Supreme Court hier regelmäßig mit Fragen zur Abtreibung befasst wird und diese Frage von verschiedenen Gruppierungen für die Austragung ideologischer Schlachten genutzt wird.
Vor ein paar Tagen mussten nach längerer Zeit und etwas überraschend mal wieder die Kämpfer für die Rechte der Frau einen Rückschlag hinnehmen und die Abtreibungsgegner jubelten, als der Supreme Court eine bestimmte Form von Abtreibung mit fünf gegen vier Stimmen in einer knappen Entscheidung verboten hat.
Die heutige Verhandlung war nicht ganz so emotional aufgeladen, aber es war trotzdem ganz spannend. Nach 2,5h Wartezeit und zwei Sicherheitschecks konnte ich im großen Verhandlungssaal unter den wachsamen Augen mehrerer Security-Leute die plädierenden Anwälte in einer Sammelklage gegen Phillip Morris sehen.
Es ging um einen Produkthaftungsfall, in dem Phillip Morris vorgeworfen wurde, in ihrer Werbung irreführende Nikotin und Teerwerte angegeben zu haben. Ironischer Weise handelte es sich aber um ein Messverfahren, dass die zuständige Behörde vorgeschlagen hatte und Phillip Morris diesem Wunsch, wie die ganze Branche, nachgekommen war.
Die heutige Verhandlung war aber nur einen Nebenkriegsplatz, da vom Gericht allein die prozessuale Frage zu entscheiden sein wird, ob der Verweisungsantrag von Phillip Morris an ein Bundesgericht erfolgreich ist.
Inhaltlich war das alles auch nicht so interesant wie das Prozedere im Gerichstsaal. Die neun Richter werden vom Präsidenten auf Lebenszeit ernannt und haben ernormes (auch politisches) Gewicht. Die Richter dürften auch außerhalb von Juristen- und Politikerkreisen weithin bekannt sein.
Im Gerichtssaal sitzen etwa zweihundert Leute und die Verhandlungen mit "oral Arguments" sind etwas besonderes, weil die Anwälte ihre Sicht der Dinge darstellen, sie aber jederzeit von den Richtern unterbrochen werden können und diese ebenfalls ihre Ansichten darlegen. Die Richter sitzen dabei auf Stühlen mit hoher Lehne, die so beweglich sind, dass es aussieht als würden die 8 Herren und die eine Dame in Schaukelstühlen hinter ihrem erhöhten Richterpult sitzen.
Alle Beteiligten nutzen die Gelegenheit auch ein wenig für die Galerie zu diskutieren und sind sich der Anwesenheit des Publikums durchaus bewusst. Da werden also Äpfel mit Äpfeln verglichen, Lippenstifthersteller als Apfelrot-Beurteiler abgestellt und auch mal ein wenig geschmunzelt.
Für die Anwälte dürfte der Termin allerdings oft nicht so lustig sein. Ihre Argumente werden ständig von einem der Richter angezweifelt und die Argumentationsketten unterbrochen. Sie müssen also auf alles eine Antwort bereit haben und ihre Schriftsätze und einen haufen Gerichtsurteile im Kopf haben. Man hatte ein wenig den Eindruck, dass die Richter keiner Partei glauben wollten.

Nach einer Stunde war das Spektakel dann vorbei und ich bin zur Kanzlei gefahren. Ich bin wieder an der Union Station eingestiegen.
Und hab diesmal auch von innen ein paar Fotos gemacht.
Das Ding ist echt riesig und wirklich sehr sehr gepflegt.




Im Fresstempel, der die komplette untere Etage einnimmt, hab ich dann noch schnell mein Mittagessen zu mir genommen, heute thailändisch. Hat aber geschmeckt wie beim letzten Mal mein chinesisches.
Ansonsten war nur noch Kanzlei und Feierabend. Ich bin schon wieder auf dem Rückweg in die falsche U-Bahn eingestiegen, hab es aber diesmal noch rechtszeitig gemerkt und bin in die Gegenrichtung eingestiegen. So, zu Hause noch ein paar Nudeln mit Tomatensoße und ein bisschen Fernsehen.
Irgendwann erzähl ich Euch mal was über die abgefahrene Werbung für Schlaftabletten, Schmerzmittel, vergleichende Autowerbung und vollkommen risikolose Kapitalanlagemethoden. Bis dahin sagt der WashingtonPoster erstmal,
Howdy!

Montag, 23. April 2007

Zwei Tage im Schnelldurchlauf

Sonntag war ein richtig schöner Sonnentag. Mir war nicht danach schon wieder in die Stadt zu fahren und mir irgendwas anzuschauen. Deshalb habe ich die meiste Zeit auf der Terasse in der Sonne zugebracht, hab einiges gelesen und später noch einen kleinen Spaziergang zur nächsten Mall gemacht. Wenn man so alleine zu Fuß unterwegs ist, hat man immer das Gefühl, dass einen alle Vorbeifahrenden aus ihren Autos heraus anstarren und sich fragen, warum da jemand läuft und nicht einfach sein Auto nimmt. Zur Mall sind es ungefähr 15 Minuten gemütlicher Fußmarsch. Als ich um 18:00 Uhr dort ankam haben tatsächlich die Geschäfte gerade zu gemacht, so dass ich ein wenig den Glauben an die ununterbrochen amerikanischen Konsummöglichkeiten verloren habe. Ich wurde allerdings noch Zeuge der folgenden Szene:


Das sieht da immer so aus. Die Leute lassen sich da massieren, falls man das nicht so richtig erkennen kann. Sieht manchmal ziemlich schmerzhaft aus. Lustig ist, dass das ganze nicht irgendwie in einem Ladenlokal passiert, sondern mitten in einer Halle der Mall.

Auf dem Rückweg traf ich den Schatten von John Travolta, holter diepolta.

Nichts besonderes, aber doch irgendwie typisch.
Abends noch ein Bier auf der Terasse getrunken und ne Runde Gitarre gespielt. Dann keinen Eintrag im Blog, was auch?

Dann Montag. Ein ganz normaler Arbeitstag. Danach bin ich noch nach Arlington gefahren auf den Arlington National Cemetery. Das ist der wirklich unglaublich riesige Friedhof, auf dem die Amerikaner ihre Helden begraben. Unten sieht man das Denkmal zu Ehren der Soldaten im Krieg um Iwo Jima.

Arlington liegt auf der anderen Seite des Potomac Virginia. Mit der U-Bahn fährt man unter dem Potomac her und ist in ein paar Minuten drüben. Vom Friedhof aus kann man dann auf den District of Columbia (deshalb DC) schauen. Ich wohne übrigens im Bundesstaat Maryland. Unten sieht man den Blick auf die National Mall.

Was einen dann erwartet ist schon ziemlich verstörend. Auf dem Friedhof sind etwa 250.000 Menschen begraben. Und die Grabsteine gehen bis an den Horizont und wenn man danm angekommen ist geht es weiter. Wenn man das so sieht gerät man wirklich ein bisschen ins Grübeln, ob die vielen Toten wirklich sein mussten. Seht einfach selbst, aber aus Film und Fernsehen ist einem das ja auch schon bekannt.






Hier liegt auch JFK mit seiner Familie. JFK ist übrigens nicht der einzige, der mit Angehörigen begraben wurde. Auf vielen der Grabsteine stehen zwei oder mehr Namen. Meistens der Mann auf der einen und seine Ehefrau auf der anderen Seite.


So zum Schluss noch ein bisschen was vesöhnliches. Mein absolutes Lieblingsschild. Was das wohl heißen mag?!?

You all have a good one!
Your WashingtonPoster