und das alte Postoffice angeschaut.
Das haben sie wirklich ganz nett als Fresstempel hergerichtet.
Danach bin ich wieder in die National Art Gallery gegangen, diesmal in den Ostflügel. Da gab es eher neuere Kunst. Hat mir ganz gut gefallen.
An dieser Stelle habe ich mich nun entschlossen langsam in Richtung der Kneipe zu gehen, in der das Konzert stattfinden sollte. Drei Bands für 8 Dollar. Ich bin allerdings nie dort angekommen.
Das kam so:
Ich fahr zur Union Station. Riesiger Bahnhof mit U-Bahnanschluss und innen sehr nobel ausgebaut zu einem Einkaufszentrum. Wie immer habe ich mir in den Kopf gesetzt, dass ich ruhig ein paar Meter laufen kann. Weil ich auf dem Rückweg mit der U-Bahn von der Union Station zurückfahren will, probier ich meinen Weg schon mal aus, obwohl es auch noch eine Station gibt die näher am Club ist.
Als ich draußen vor dem Bahnhof steh muss ich mich erstmal orientieren. Ich suche die H Street. Auf der soll der Club an der Ecke zur 12th Street liegen. Der Bahnhof liegt auf der Höhe der 1st Street und D Street. Es sind also etwa zwölf Blocks zu laufen. Jetzt mache ich wahrscheinlich einen Fehler. Ich entscheide mich rechts rum um den Bahnhof zu laufen, weil die H Street weiter im Norden liegt. Ich muss erst durch eine Unterführung am Bahnhof und nach etwa zehn Minuten Fußweg bin ich plötzlich schon an der K Street.
Naja, nicht so schlimm, biege ich halt rechts ab. Allerdings wirkt die Gegend ein bisschen wie Bahnhofsumfeld oder Industriegebiet. Weil die Bahngleise im Weg sind konnte ich auf die H Street nicht kommen. Um nicht den ganzen Weg zurück laufen zu müssen entschließe ich mich die Unterführung unter den Bahngleisen her zu nehmen. Auf der anderen Seite angekommen sieht es noch ein wenig schlimmer aus. Es ist zum Glück noch hell, aber es ist fast niemand unterwegs hier. Ich biege die nächste wieder rechts ab, um endlich auf die H Street zu kommen, von der ich annehme, dass es da besser aussieht. Mittlerweile bin ich auf Höhe der 3rd Street. Also nur noch neun Blocks. Die Häuser am Straßenrand sind eigentlich nicht so schlecht, sehen ganz niedlich aus, aber zwischendrin stehen auch ab und zu mal welche leer.
Immernoch sehe ich so gut wie keine Leute, nur ein paar Autos fahren mal vorbei. Langsam wird mir ein bisschen mulmig, aber die nächste müsste H sein. Stimmt. Der Club liegt links runter. Rechts geht es vierspurig über eine Brück (darunter liegen ja die Bahngleise). Mir fällt auf, dass die Häuser an denen ich jetzt vorbei laufe alle vergitterte Fenster haben. Die ersten Läden die ich erreiche sind auch nicht gerade in bester Verfassung. Hunder Meter weiter sind verschieden Häuser mit Brettern zugenagelt. Ich bin jetzt etwa an der 7th Street, noch fünf Blocks. Ich würde gerne mal jemanden fragen, ob einer wie ich hier sicher ist, aber die jetzt vermehrt zu sehenden Leute will ich lieber nicht fragen. Meine Lust auf ein Rockkonzert nimmt rapide ab. Als auch noch zwei Polizeiwagen mit Blaulicht vorbeifahren nimmt mein Puls einen etwas ungesunden Rythmus an und ich höre wieder die zahlreichen Warnungen, dass man in DC nicht ins falsche Viertel geraten sollte. Insbesondere nicht wenn man weiß ist.
Umkehren will ich nicht, weil ich ja nicht weiß, wie es auf der andern Seite der Brücke aussieht und durch die Straße aus der ich gekommen bin will ich lieber nicht mehr zurück. Ich biege also rechts ab in eine Straße, die einigermaßen nett aussieht und ein paar Meter weiter bestätigt sich zum Glück der Eindruck. Kaum bin ich hundert Meter gelaufen bin ich in einem richtig schönen Wohnviertel. Nicht einmal die Fenster sind mehr vergittert. Gepflegte Vorgärten, schöne Spielplätze und auf den Gehwegen freundliche Menschen die mich im Vorbeigehen nach meinem Befinden fragen. Ich lüg sie an und sage hervorragend. Fühlen tu ich mich allerdings, wie dem Tod gerade noch mal von der Schippe gesprungen. Wahrscheinlich total paranoid und wahrscheinlich war das Viertel gar nicht so schlimm. Na und, ich bin trotzdem abgebogen und fühl mich auf meinem Weg in Richtung Union Station wieder viel besser, als ich an sehr schönen und gut besuchten Biergartenrestaurants vorbeikomme.
Spontan wie ich bin ändere ich meine Abendplanung und fahre nach Adams Morgan in das Kneipenviertel wo ich letzte Woche die unsägliche Bluesband gesehen habe. Allerdings entpuppt sich meine Entscheidung als goldrichtig. Ich sehe an dem Abend vier Bands, ohne irgendwo Eintritt zahlen zu müssen. Ich muss nur jedesmal nachweisen, dass ich über 21 bin. In manchen Läden muss ich aus irgendeinem Grund auch immer meine Mütze absetzen. Kurz und gut, mein Abend ist noch sehr nett geworden. Nachdem ich eine Bossaband, eine Reggaeband und eine achtziger Jahre Popband gesehen habe, lande ich endlich in einem Schuppen mit lauter und schneller Gitarrenmusik.
Als ich um zwölf dann gehe, weil ich sonst fürchten muss die letzte U-Bahn zu verpassen füllt sich die Kneipenmeile erst richtig. Mir reichts aber für heute.
Genug Aufregung und ein netter Abend.
Euer heute nicht ganz so furchtloser
WashingtonPoster
2 Kommentare:
Lothar- ich werde uns wohl einen Kompass mitbringen müssen!
FlyingGrill
Wenn es geht vielleicht noch schusssichere Westen. ;-)
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